Geschichte von Tübingen und der Universität

Die Universitätsstadt Tübingen kann auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurückblicken, Zeugen der Vergangenheit sind die zahlreichen altehrwürdigen Bauten, die es zu bestaunen gibt.
Die Siedlung Tübingen entstand vermutlich im 6. / 7. Jahrhundert als eine Gründung der Alemannen, hierauf deutet die Endung „ingen“. Bis die Existenz Tübingens das erste Mal schriftlich festgehalten wurde, dauerte es allerdings noch ein paar Jahrhunderte. 1078 wird die Burg Tübingen von Heinrich IV. belagert, in diesem Zusammenhang findet die Festung und damit die Siedlung Tübingen die erste schriftliche Erwähnung.

Tübingen atmet Geschichte. Nur wenige andere Städte in Deutschland können auf so viel bedeutende geschichtliche Ereignisse zurückblicken wie Tübingen. Besonders die sehr frühe Universitätsgründung war prägend für die Stadt. Noch heute hat die Universität Tübingen weit über die Landesgrenzen hinaus einen außerordentlich guten Ruf.

Die wichtigsten geschichtlichen Eckpunkte

Unter den Erbauern der Burg - den Grafen von Tübingen - entwickelt sich die Siedlung zu einer Stadt. Kaufleute, die 1191 erwähnt werden, lassen auf das Bestehen eines Marktes schließen. Etwa 1231 wird Tübingen als Ort mit Stadtrechten bezeichnet. Die Grafen von Tübingen selbst erlangen Mitte des 12. Jahrhunderts die Pfalzgrafenwürde, müssen jedoch 1342 die Stadt Tübingen aus wirtschaftlichen Gründen an die Grafen von Württemberg veräußern.
Tübingen nahm innerhalb der Grafschaft und auch im späteren Herzogtum Württemberg eine bedeutende Stellung als zweitgrößte Stadt des Landes und Residenzstadt ein. Im Jahr 1514 wird der Tübinger Vertrag zwischen dem Herzog Ulrich von Württemberg und den württembergischen Landständen (Ehrbarkeit - Patriziat) geschlossen. Dieser legte einerseits die Unterstützung des Herzogs durch die Ehrbarkeit im Bauernaufstand (Armer Konrad) fest. Andererseits wurde den Landständen im Gegenzug beträchtlicher Einfluss durch Mitbestimmung in verschiedenen Bereichen und Zugeständnisse gewährt, was folglich die Position jener stärkte und die Macht des Landesherren einschränkte. Der Tübinger Vertrag, sicherlich eines der bedeutsamsten Dokumente im Herzogtum, wird auch als „Magna Charta Württembergs“ bezeichnet.

Der Meilenstein der Universitätsgründung

Ein wichtiger Abschnitt in der Historie der Stadt ist die Universitätsgründung 1477 durch Graf Eberhard im Bart. Die Universität Tübingen, die sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf personeller Basis mit anderen ihrer Art in Deutschland konkurrieren konnte, gewann schnell Ansehen. Im Zuge der Universitätsgründung und -entwicklung begann eine Vergrößerung bzw. Veränderung des Stadtbildes. Bedeutende Lehrkräfte waren unter anderem Johannes Reuchlin, Philipp Melanchthon, Johannes Stöffler und Leonhard Fuchs, dessen Namen die Pflanze Fuchsie trägt.
1536 begründete Herzog Ulrich das Evangelische Stift, hier lebte und lernte Ferdinand Christian Baur ebenso wie Johannes Kepler, Eduard Mörike sowie Hölderlin, Schelling und Hegel, Letztere teilweise sogar zeitgleich.

Die Gründung der Ritterakademie

Eine weitere bedeutsame Gründung geschah im Jahre 1594 mit der Errichtung des Collegium Illustre. In der Ritterakademie, die weithin Bekanntheit erlangte, ließ sich protestantischer Adel in der Politik, im Fechten, in Naturwissenschaften, Fremdsprachen, im Reiten usw. ausbilden.
Der Dreißigjährige Krieg brachte über Stadt und Bevölkerung Hunger, Elend, Plünderungen und Tod, die Universität verlor ebenfalls ihre ruhmreiche Stellung. Die Studentenzahlen minimierten sich später auch wegen der Gründung der Hohen Karlsschule (ab 1781 Universität) in Stuttgart durch Herzog Karl Eugen nach vergeblichen Reformbemühungen der Tübinger Universität. Einhergehend mit der sinkenden Zahl an Studenten, verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Stadt, schließlich waren die Studenten für vielerlei Betriebe eine wichtige Einnahmequelle. Erst mit dem Tod von Herzog Karl Eugen und der Aufhebung der Hohen Karlsschule 1794 verbesserten sich die Chancen für die Universitätsstadt Tübingen. Ab 1817 wurden neue Fakultäten begründet und bestehende Fächer spezialisiert - hier ist vor allen Dingen die Medizin hervorzuheben. Mit dem Aufstreben der Universität setzte ferner eine rege städtische Bautätigkeit ein, 1861 wurde Tübingen an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Tübingen in der Neuzeit

Tübingen, das in den 1970er Jahren durch Eingemeindungen erweitert wurde, ist bis heute von seiner Universität und den verschiedenen Instituten aber auch von baulichen Schätzen geprägt. Einen Streifzug durch die Geschichte und zu den schönsten Bauwerken von Tübingen erlebt der Besucher im Rahmen einer Stadtführung. Angeboten werden überdies interessante Themenführungen wie „Unheimliches Tübingen“, „Verliebt, verlobt, verheiratet - Tübinger Liebesgeschichten“, „Tübingen im Mittelalter“ oder „Historische Gasthäuser, Weinstuben und Studentenkneipen“.

 

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